
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Entourage kommt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet „Umfeld“ oder „Gefolgschaft“.
- In der Alltagssprache beschreibt es eine Gruppe von Personen, die jemanden begleiten oder unterstützen.
- Im Cannabis-Bereich steht der Begriff für den Entourage-Effekt, das Zusammenspiel von Pflanzenstoffen für eine stärkere Wirkung beschreibt.
- Synergien in der Ernährung zeigen wie der Entourage Effekt bei Cannabis, dass natürliche Kombinationen von Stoffen oft wirksamer sind als einzelne isolierte Substanzen.
- Durch den Entourage-Effekt können Vollspektrum-Cannabisprodukte effektiver wirken als isolierte Wirkstoffe.
Das Wort "Entourage" stammt eigentlich aus dem Französischen und wird aber auch im Deutschen Sprachgebrauch häufig genutzt. Sicher hast du bestimmt schonmal gehört, dass ein Sänger oder ein Künstler mit seiner Entourage angereist ist. Denn dieses Wort beschreibt eine Gruppe von Personen, die einer zentralen Figur nahe stehen, sie begleiten und unterstützen.
Auch in der Cannabisforschung und im Bereich des medizinischen Cannabis wird häufig von dem "Entourage-Effekt" gesprochen. Dieser Effekt beschreibt das Zusammenspiel verschiedener Pflanzenstoffe, die gemeinsam "in der Gruppe" eine stärkere Wirkung entfalten können als isoliert.
Wenn du selber schon öfter Cannabis konsumiert hast, wirst du sicher gemerkt haben, dass die Wirkung teilweise als sehr unterschiedlich wahrgenommen werden kann. Selbst dieselbe Sorte kann abhängig davon, wie frisch sie ist und wie sie angebaut, gelagert und behandelt wurde, verschiedene Wirkungen auf den Konsumenten haben. Der Entourage-Effekt gilt als recht neue und teilweise immer noch umstrittene Theorie, die erklären könnte, warum das so ist.
In diesem Artikel erklären wir dir, woher das Wort stammt, welche besondere Rolle es in der Welt des Cannabis spielt und welchen Forschungsstand es zum Entourage-Effekt bei medizinischem Cannabis gibt.
Entourage: Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch
Entourage stammt ursprünglich von dem französischen Verb entourer, was übersetzt „umgeben“ heißt. Die Übersetzung ins Deutsche lautet als Substantiv Umfeld, Gefolgschaft oder Begleitung. Dieses Wort wird auch im Englischen mit einer gleichen Bedeutung verwendet.
Synonyme und Unterbegriffe
Zu den Synonymen, die am meisten verwendet werden, zählen folgende Begriffe wie: Gefolgschaft, Team, Umfeld, Anhänger, Umkreis oder Begleitung. Diese Synonyme besitzen eine ähnliche Bedeutung und betonen vor allem soziale Nähe und Unterstützung. Als Unterbegriffe hierzu gelten zum Beispiel Gruppe, Helfer oder Begleiter.
Verwendung im Alltag
Wie bereits erwähnt, wird das Wort Entourage im Alltag oft für eine Gruppe von Personen verwendet, die prominente Persönlichkeiten zu beispielsweise Auftritten oder Terminen begleiten. Beispiele für diesen Sprachgebrauch sind:
- „Die Entourage des Politikers reiste mit ihm zur Konferenz“ oder
- „Die Entourage des Schauspielers bestand aus Freunden, Beratern und Assistenten.“
Die Grammatik sieht im Plural die Form Entouragen: „Die Entouragen der Künstler beeindruckten durch ihre Größe.“ Im Genitiv würde man sagen: „Die Entourage des Stars war stets präsent. Mit dem Wort Entourage verbinden deswegen viele Menschen positive Assoziationen wie Nähe, Vertrauen, Zusammenhalt und Loyalität.
Was bedeutet Entourage im Zusammenhang mit Cannabis?
Wie du wahrscheinlich schonmal gehört hast, besteht Cannabis aus einer Vielzahl von Cannabinoiden, Terpenen und Flavonoiden. Diese Bestandteile der Cannabispflanze können jeweils auf unterschiedliche Weise mit dem menschlichen Endocannabinoid-System interagieren.
Zu den bekanntesten Cannabinoide gehören ganz klar Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), wobei es über 100 andere Cannabinoide mit wichtigen Aufgaben und Wirkungsweisen gibt.
Unter Terpenen, weitere Bestandteile der Cannabispflanze, versteht man aromatische Verbindungen, die zu dem charakteristischen Geruch und Geschmack von Cannabis beitragen. Flavonoide hingegen sind sekundäre Pflanzenstoffe, die auch in anderen Pflanzen und deren Früchten, wie Obst, vorkommen. Sie können auch sowohl zu den gesundheitlichen Vorteilen und als auch zur Farbgebung beitragen.
Die Idee hinter dem Entourage-Effekt ist, dass die natürliche Kombination von Wirkstoffen besser wirken können als einzelne isolierte Substanzen. Dadurch sollen Vollspektrumprodukte wie natürliche Cannabisblüten oder Vollspektrum-CBD-Öle wirksamer sein, weil die Entourage, Gefolgschaft aller Moleküle und Bestandteile der Pflanze zusammenarbeitet und gemeinsam wirken kann.
Die Rolle der Cannabinoide
Unter Cannabinoiden versteht, wie bereits erläutert, aktive chemische Verbindungen in der Cannabispflanze, welche mit dem menschlichen Endocannabinoid-System (ECS) interagieren können. Das ECS besteht aus Rezeptoren, die im ganzen Körper verteilt sind und eine Vielzahl von physiologischen Prozessen wie Schmerz, Stimmung, Appetit und Gedächtnis beeinflussen können.
In dieser Tabelle findest du einige der wichtigsten Cannabinoide sowie ihre mögliches Wirkprofil, Funktionen und Anwendungen:
Cannabinoid | Wirkprofil und Rezeptoren | Funktionen und Anwendungen |
THC (Tetrahydrocannabinol) | Psychtrop. Bindet direkt an CB1-Rezeptoren im Gehirn und zentralen Nervensystem | Schmerzlinderung, Appetitanregung, Übelkeitssenkung, Einsatz bei chronischen Schmerzen, Glaukom und PTBS |
CBD (Cannabidiol) | Psychoaktiv. Agiert als Modulator an CB2, hemmt indirekt CB1, interagiert mit 5-HT1A und TRPV1 | Angstlösung, Entzündungshemmung, antiepileptisch, Einsatz bei Epilepsie, Schmerzen, Entzündungen und neurologischen Störungen |
CBG (Cannabigerol) | Psychoaktiv. Schwache Bindung an CB1 und CB2, wirkt zusätzlich auf α2-Adrenozeptoren und 5-HT1A | Entzündungshemmung, Neuroprotektion, antibakteriell, Einsatz bei Darmerkrankungen, Glaukom und Blasenfunktionsstörungen |
CBC (Cannabichromen) | Psychoaktiv. Interaktion mit TRPA1, indirekte Wirkung auf CB2 möglich | Entzündungshemmung, Schmerzlinderung, stimmungsaufhellend, Einsatz bei Akne, Hautproblemen und zur Förderung des Knochenwachstums |
CBN (Cannabinol) | Leicht psychtrop. Schwache Bindung an CB1, stärkere Wirkung an CB2 | Beruhigend, muskelentspannend, schlaffördernd, Einsatz bei Schlafstörungen, Schmerzen und Muskelkrämpfen |
Die Rolle der Terpenoide in der Hanfpflanze
Terpene oder auch Terpenoide genannt, sind die ätherischen Öle der Hanfpflanze, die nicht für den Duft und Geschmack bestimmen. Denn sie können auch eine Vielzahl von therapeutischen Wirkungen, gerade in Bezug zum Entourage-Effekt, haben. Es gibt heute über 200 verschiedene Terpene in Cannabis, wobei jedes Terpen einzigartige Eigenschaften mit sich bringt.
Diese Eigenschaften können sowohl zur Gesamterfahrung beim Konsum als auch zu den gesundheitlichen Vorteilen von Cannabis beitragen. Hier findest du die wichtigsten Terpene der Cannabispflanze im Überblick:
Myrcen
Myrcen gehört zu den Terpen, die am häufigsten in Cannabis vorkommen und bringt einen erdigen, moschusartigen Geruch mit einem Hauch von Nelken mit sich. Es kann beruhigend sowie sedierend wirken und wird deswegen oft mit den entspannenden Wirkungen von Indica-Sorten in Verbindung gebracht. Außerdem kann es helfen, Cannbinoide besser aufzunehmen, da es Permeabilität der Zellmembranen erhöhen kann. Das heißt, dass die Aufnahme anderer Cannabinoide in den Zellmembranen verbessert werden kann.
Limonen
Limonen bringt einen frischen, zitrusartigen Duft mit sich und ist für seine möglichen stimmungsaufhellenden und antidepressiven sowie entzündungshemmende und antibakteriell wirkende Eigenschaften bekannt. Außerdem kommt Limonen oft in Sativa-Sorten vor und kann das Energieniveau und die geistige Klarheit steigern.
Linalool
Linalool hat einen blumigen Duft und kommt auch auf natürliche Weise in Lavendel vor. Es wirkt demnach entspannend, angstlösend und kann zusätzlich auch bei der Schmerzlinderung helfen. Deswegen wird Linalool oft in Sorten gefunden, die zur Förderung von Schlaf und Entspannung verwendet werden können.
Pinene
Pinene bringt einen frischen, kiefernartigen Duft mit sich und kommt in zwei Isomeren vor: Alpha-Pinene und Beta-Pinene. Dieses Terpen ist bekannt für seine entzündungshemmenden und Bronchien erweiternden Eigenschaften, was es nützlich bei der Behandlung von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen machen kann. Zudem wird ihm auch einen Gedächtnis verbessernde und Aufmerksamkeit steigernde Wirkung zugeschrieben.
Caryophyllen
Caryophyllen ist für einen würzigen, pfeffrigen Duft bekannt. Es handelt sich hierbei um ein ganz besonderes Terpen, da es als Einziges auch als Cannabinoid wirken und in den CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems binden kann. Caryophyllen werden entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben. Außerdem kann es auch bei der Behandlung von Angst und Depressionen hilfreich sein.
Humulen
Humulen hat einen erdigen, holzigen Duft und ist auch in Hopfen enthalten. Es kann entzündungshemmende und appetitzügelnd wirken, weswegen es zur Gewichtsabnahme beitragen kann. Zudem wird es oft in den Sorten gefunden, die für ihre energetisierenden und fokussierenden Wirkungen bekannt sind.
Terpinolen
Terpinolen bringt einen blumigen, krautigen Duft mit einem Hauch von Zitrus und Kiefer mit sich. Es wirkt beruhigend und kann aber auch antioxidative sowie antimikrobielle Eigenschaften haben. Es kommt auch oft in Sorten vor, die zur Förderung von Kreativität und geistiger Klarheit verwendet werden können.
Ocimen
Ocimen duftet süß und blumig, weswegen es häufig in der Parfümindustrie Anwendung findet. Diesem Terpen werden antivirale, antifungale und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben und es kann ebenfalls beruhigend wirken und zur Stressreduzierung beitragen.
Geraniol
Geraniol riecht nach einem süßen, rosenartigen Duft und kommt auch in Rosen, Zitronengras und anderen Pflanzen vor. Es bringt antioxidative und neuroprotektive Eigenschaften mit sich, weswegen es auch bei der Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen hilfreich sein kann. Geraniol kommt häufig in Sorten vor, die zur Entspannung und zum Stressabbau angewendet werden können.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Entourage-Effekt in Bezug zu Cannabis
Der Begriff "Entourage-Effekt" wurde erstmals im Jahr 1998 von dem israelischen Wissenschaftler Raphael Mechoulam geprägt(1), wobei der Entourage-Effekt auch in den letzten Jahren zunehmend an Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern, Medizinern und Konsumenten erhalten hat.
Die zahlreiche und wachsende Anzahl von Studien zeigt, wie groß die wissenschaftliche Aufmerksamkeit ist. Laut Catalina Christensen et al. (2023)(2) beschreibt der Entourage-Effekt die therapeutische Synergie zwischen Pflanzenstoffen, wobei auch diese Autoren betonen, dass Vollspektrumprodukte neue medizinische Möglichkeiten bieten könnten.
Gleichzeitig gibt es Kritik von Forschern wie P. Cogan (2020) (3), der die wissenschaftlichen Belege des Entourage-Effekts als nicht ausreichend ansieht. Denn er bezeichnet den Entourage-Effekt als „Marketingbegriff“ und fordert daher auch noch mehr klinische Studien. Dies zeigt auch ganz klar, dass die Forschungen hierzu noch nicht abgeschlossen sind.
Exkurs Ernährung: Synergien wie der Entourage-Effekt beim Cannabiskonsum
Der Begriff Entourage-Effekt stammt zwar aus der Forschung rund um Cannabis und Wirkungsweisen auf den menschlichen Körper, jedoch gilt dieses Prinzip auch beispielsweise für die Ernährung.
Denn viele Nährstoffe wirken oft besser zusammen als isoliert. Zum Beispiel wird Vitamin C aus einer Orange wird besser aufgenommen als reines Vitamin C als Supplement (4), da der Körper auch eine "Entourage" braucht, um Nährstoffe richtig aufzunehmen und zu verarbeiten zu können.
Dieses Prinzip gilt auch für fettlösliche Vitamine (5) und Eisen, die aus Pflanzen besser verwertet werden, wenn sie mit anderen Nährstoffen kombiniert werden. Diese Synergien zeigen, dass der Körper auf das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe ausgelegt ist. Ähnlich wie beim Entourage-Effekt bei Cannabis verstärken so natürliche Stoffe gegenseitig in ihrer Wirkung und ermöglichen in vielen Fällen überhaupt erstmal eine Aufnahme der Stoffe.
Fazit
Im Cannabisbereich steht der Begriff, Entourage-Effekt, für das Zusammenspiel verschiedener Pflanzenstoffe, die die Wirkung verstärken können. Das Wort Entourage selber bedeutet Umfeld oder Gefolgschaft und beschreibt im normalen Sprachgebrauch soziale Nähe zwischen Leuten.
Forscher konnten bereits erste Hinweise in wissenschaftlichen Studien auf diesen Effekt sammeln, wobei noch weitere Studien nötig sind. Ähnliche Synergien wie den Entourage-Effekt finden sich auch in der Ernährung, wo natürliche Kombinationen von Nährstoffen oft wirksamer sind als isolierte Supplemente.
Dieses Prinzip verdeutlicht, wie wichtig die natürliche Umgebung, "die Entourage", der Inhaltsstoffe und ihr Zusammenspiel sind, damit Wirkstoffe optimale wirken können. Sowohl sprachlich als auch wissenschaftlich zeigt sich, dass das Wort Entourage die Bedeutung von Gemeinschaft und der unterstützenden Umgebung für eine bestmögliche Wirkung beschreibt.
Quellen
- Russo, E. B. (2019). The Case for the Entourage Effect and Conventional Breeding of Clinical Cannabis: No “Strain,” No Gain. Frontiers in Plant Science, 9, 1969. Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6334252/
- Christensen, C., et al. (2023). Decoding the Postulated Entourage Effect of Medicinal Cannabis. Biomedicines, 11(8), 2323. Verfügbar unter: https://doi.org/10.3390/biomedicines11082323
- Cogan, P. S. (2020). The 'entourage effect' or 'hodge-podge hashish': The questionable science behind cannabis product claims. Expert Review of Clinical Pharmacology, 13(6), 535–545. Verfügbar unter: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/17512433.2020.1721281
- Nutraceuticals World (o. J.). Citrus Bioflavonoids & Synergy with Vitamin C and Beyond. Verfügbar unter: https://www.nutraceuticalsworld.com/citrus-bioflavonoids-synergy-with-vitamin-c-beyond/
- Liang, Y., et al. (2022). Effect of dietary fat on the bioavailability of carotenoids: A systematic review and meta-analysis. Advances in Nutrition. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34897461/